Nach 17 Jahren: LGBTQ-Community feiert in Luzern eine Pride
Nach 17 Jahren: LGBTQ-Community feiert in Luzern eine Pride

Nach 17 Jahren: LGBTQ-Community feiert in Luzern eine Pride

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Datum der Veröffentlichung11. Juni 2022, 18:14 Uhr
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Author*inIsabelle Dahinden

DEMONSTRATION UND FEIERN IN DER STADT

Es ist die erste Pride seit 17 Jahren in Luzern. Am 3. September findet eine grosse Demonstration statt, davor und danach gibt es verschiedene Events. Initiant Christian Sprenger sagt, warum es dabei um weit mehr als das Feiern geht.

Noch 84 Tage, 1 Stunde, 2 Minuten und ein paar Sekunden: Dann fällt der Startschuss der Pride in Luzern. Der fast allerersten Pride in Luzern – nachdem 2005 bereits einmal eine Pride stattgefunden hat. Damals pilgerten um die 10’000 Schwule und Lesben nach Luzern.

Seit 1994 wird die LGBTQ-Community an der Pride in Zürich (vormals CSD Zürich) zelebriert. «Doch auch in der Zentralschweiz braucht es wieder eine Pride», sagt Christian Sprenger, der Präsident des Vereins Pride Zentralschweiz. Gefeiert wird nicht nur an einem Tag – sondern gleich eine ganze Woche.

Die Demo der Pride startet mit Dämmerung in Luzern

Am 27. August wird die Woche mit einem ersten Event eingeläutet. Nämlich dem Pride Event, an dem diverse Künstlerinnen auftreten und Stände verschiedener Organisationen Infomaterial und Beratung anbieten. Quer durch die Zentralschweiz finden sportliche Aktivitäten, Stammtische und Gottesdienste statt. Auch konservativ geprägte Gemeinden wie Altdorf, Stans und Engelberg werden miteinbezogen.

Am 3. September folgt das Herzstück der Pride: Die Demonstration. Um 19 Uhr beginnen die Reden am Theaterplatz in Luzern – zugesagt hat unter anderem Stadtpräsident Beat Züsli. Wenn die Dämmerung anbricht, wird sich die Masse für die Demo in Gang setzen, vom Theaterplatz über die Reuss, durch die Luzerner Altstadt bis hin zum Bourbaki.

Es geht nicht ausschliesslich ums Feiern.

Christian Sprenger

Alle sollen dabei mit LED-Leuchtstäben und Lichtern erscheinen. «In der Lichterstadt Luzern soll es somit eine schöne, bunte Lichter-Pride geben», so Christian Sprenger. Anschliessend wird im Bourbaki gefeiert.

Warum es dabei um weit mehr als «nur» das Feiern geht

«Wir hoffen auf Sichtbarkeit», erklärt Sprenger das Ziel der Pride. «Dass die LGBTIQ*-Community gehört und gesehen wird.» Zu einer zweiten Street Parade soll der Anlass aber nicht verkommen. Dafür ist die politische Message dahinter zu wichtig. «Das Feiern und Zelebrieren ist zwar ein Teil der Pride-Woche – aber es geht nicht ausschliesslich ums Feiern», so der Präsident des Vereins.

Wir wollen nichts Exklusives. Sondern es geht uns darum, die Rechte anzugleichen.

Christian Sprenger

«Es gibt nach wie vor viele Ungleichheiten und Ungleichberechtigungen, mit welchen die LGBTIQ*-Community zu kämpfen hat, im Gegensatz zu Cis-Hetero-Menschen.» Also Menschen, die nicht queer sind. Zwar hat sich das Schweizer Stimmvolk letztes Jahr für die Ehe für alle ausgesprochen. Ab dem 1. Juli dürfen somit alle heiraten. Egal, ob sie als Mann einen Mann oder als Frau eine Frau lieben (zentralplus berichtete).

Gleiche Rechte für die LGBTQ-Community

Sprenger spricht Ungleichbehandlungen beim Blutspenden an – so gelten für Männer, die Sex mit Männern haben, strengere Kriterien beim Blutspenden. Oder die Diskriminierung von non-binären Menschen – Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann zugehörig fühlen. Bis anhin fehlt ein amtliches drittes Geschlecht – derzeit arbeitet der Bundesrat aber an einem Bericht über die Einführung eines solchen Geschlechts.

Es geht um Ängste von queeren Menschen, zu sich zu stehen, sich zu outen – um Homo- und Transphobie. Diskriminierung im Alltag, mit denen die LGBTQ-Community zu kämpfen hat (zentralplus berichtete). «Deshalb braucht es die Pride definitiv», sagt Christian Sprenger. «Wir wollen nichts Exklusives, keine zusätzlichen Rechte und anderen nichts wegnehmen. Sondern es geht uns darum, die Rechte anzugleichen.»

Christian Sprenger ist Präsident des Vereins Pride Zentralschweiz. (Bild: zvg)

Cis-Heteros mit Queers zusammenbringen

Insbesondere wollen die Organisatoren auch Hetero- und Cis-Menschen ansprechen. «Wir wollen mit der Pride mit Menschen in Kontakt kommen, die vielleicht Ängste und Vorbehalte gegenüber unserer Community haben. Um im Austausch mit uns diese abbauen zu können, weil sie merken, dass wir gar nicht so anders sind wie sie.»WERBUNG

«Ich hoffe, dass alle ihren Spass haben. Und vor allem hoffe ich, dass jeder sich selbst sein kann.»

Sprenger freue sich «mega fest» auf den Event. Wie viele an der Demo teilnehmen werden, kann er nur schwer abschätzen, zumal die Pride nach Jahren wieder das erste Mal stattfindet. Vielleicht nehmen 2000 Menschen teil, vielleicht 5000 oder 15’000 Menschen. Auch Firmen werden sich am Event zeigen – Hauptsponsor der Pride in Luzern ist der Luzerner Lifthersteller Schindler, der vergangenes Jahr ein Versprechen für die LGBTQ-Community unterzeichnet hat (zentralplus berichtete). Das Unternehmen wurde mit einem entsprechenden Label zertifiziert, dass das Traditionsunternehmen als LGBTQ-freundlichen Arbeitgeber auszeichnet.

Auch die Gespräche mit der Stadt seien sehr positiv und angenehm gewesen, wie Sprenger ausführt. «Wir sind mit unserem Anliegen direkt auf offene Ohren gestossen. Wir spüren, dass auch die Stadt Luzern interessiert ist, etwas zu tun.» So habe sie gar eine Route für die Demonstration oder passende Locations vorgeschlagen.

Sein, so wie man ist

Der Präsident des Vereins hat derzeit alle Hände voll zu tun. Täglich telefoniert er, schreibt E-Mails, kümmert sich um den Auftritt auf den sozialen Medien. Der Verein ist nach wie vor auf der Suche nach Menschen, die mitanpacken, damit die Pride wie gewünscht über die Bühne gehen kann.

«Am meisten freue ich mich auf die Vorstellung, mitten in der Menschenmasse der Pride zu stehen und in die Gesichter der strahlenden Menschen zu sehen. Ich hoffe, dass alle ihren Spass haben. Und vor allem hoffe ich, dass jeder sich selbst sein kann.»

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